beSCHAUlich - Ein Blick hinter die Kulissen
Wie ein Begegnungsraum sich öffnet
WELLENRAUSCHEN
Leander Linnhoff
1/6/20262 min read


beSCHAUlich - keine Lesung, kein Konzert
In einer Woche ist es soweit. Ich mag es selbst noch kaum glauben. Mit dem OFS, der Franziskanischen Gemeinschaft in Köln, dürfen Matthias Petzold und ich einen besonderen Abend präsentieren. Es soll ein Abend werden, der nichts fordert und nichts will - ein Kraftanker und ein Ruhehafen in unruhiger und stürmischer Zeit. Wir wollten keine Lesung, kein Konzert und schon gar keinen Workshop mit esoterischer Anmutung. Stattdessen ist das Ziel Kontemplation - Absichtslosigkeit abseits aller Erwartungen.


Wie der Raum sich öffnet
Um einen Begegnungsraum begehbar zu machen, bedarf es einiger Vorbereitung. Leichtigkeit entsteht aus Selbstsicherheit. Selbstsicherheit erwächst aus einem starken Konzept.
So wurden Texte sorgfältig kuratiert, markiert, ausgewählt, abgewogen, verworfen. Aus der letztendlichen Auswahl entstand ein Programmentwurf, in den die Musik eingepasst wurde. Das klingt sehr technisch, und an manchen Stellen ist es das sicher auch. Aber wenn man Lyrik auswählt, dann ist das ein besonderer Prozess. Man lässt Worte auf der Zunge zergehen, im Raum nachschwingen. Man fragt sich, was sie mit dem Hörer macht, versetzt sich hinein, nutzt Empathie. Im Grunde ist es, als schaffe man eine einladende Eingangstür, durch die das Publikum eintreten darf.
Genauso vorsichtig taste ich mich dann an Textmenge und Pausenzeiten heran. Lyrik darf schwingen. Erschlägt sie, dann hat sie ihr Ziel verfehlt. Wichtiger noch ist aber: Dieser Abend enthält zwar Musik, Atmen und Stimme, aber im Zentrum steht das Publikum, der gemeinsame Weg und die gemeinsame Erfahrung.
Matthias schafft es, genau diesen Gedanken auch musikalisch zu tragen. Nichts ist Selbstzweck. Alles ist ein organischer Kreislauf. Und aus allem entsteht etwas Lebendiges.
Ohne Freude fehlt alles Wichtige
Betrachtet man das Bild, das beim Proben entstanden ist, dann sieht man, dass die Freude ein wichtiger Teilnehmer der Probearbeit ist. "Zwei Honigkuchenpferde, die sich gefunden haben" titelte meine Frau, als sie das Foto zum ersten Mal sah.
Ich sage es klar: Wäre es anders gewesen, wäre etwas schief gelaufen. Die Freude am gemeinsamen Spiel mit Klängen und Räumen schafft die Harmonie, die für den Erfolg des Abends existentiell ist. Wäre es trockene Arbeit, könnte auch beim Publikum keine Resonanz entstehen. Wenn ihr aber spürt, wie wichtig uns dieses Erlebnis ist und wieviel Freude und Herz darin steckt, dann ist alles richtig.
Ohne das Publikum nur leere Luft
Eines aber bleibt zentral: Bei aller guten Vorbereitung ist der Abend ohne Publikum bedeutungslos. Denn was ist Musik, was sind Sprache und Atem, wenn sie keiner wahrnimmt? Nur leere Luft. Nicht mehr. Der Raum für Begegnung ist offen. Wenn ihr mögt, tretet ein.
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