Der Pferdefischer von Oostduinkerke
Eine Chronik des Verschwindens
SEEGLAS
Leander Linnhoff
2/5/20261 min read


Der Pferdefischer von Oostduinkerke
Wie jeden morgen ist er mit Einsetzen der Ebbe bereit.
Der Brabanter, der das Wasser einst scheute,
hat längst gelernt, die festen Schritte
in Wellen und Sand zu setzen.
Jeden Morgen der gleiche Rhythmus.
Gemeinsam kennen sie jeden Schritt,
jedes tückische Loch, jede Handbreit Boden.
Sie tragen das schwere Joch,
der Fischer und sein Pferd,
auf der Suche nach den grauen Krabben.
Einst wimmelten die Körbe von lebendigem Silber -
der Lohn für Kälte, Arbeit und Beständigkeit.
Jahrhunderte waren sie die stummen Herren
der ewigen Wechsel von Ebbe und Flut - die Pferdefischer.
Jetzt sind sie noch ein Dutzend.
Er wischt sich den salzigen Regen von der Stirn.
Sein Sohn spricht nicht mehr mit ihm.
Er ist jetzt Händler in der Stadt.
Er ertrug die Hoffnungen, die Erwartungen des Vaters nicht.
Das alte Handwerk, überliefert über Generationen.
Vorbei.
Die Krabben schwinden. Es ist zu warm geworden.
Sein Leben schwindet. Irgendwann. Er ist alt.
Doch er muss weiter, der Brabanter an seiner Seite,
Denn der ewige Wechsel ruft.
Das Meer wartet nicht.
Doch es braucht ihn.
Er weiß es.
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