Windrose vom 15. März - Staub

Die Einsandungen

WINDROSE

liebelle_zart, einzigagnes, lyrischgutdrauf, marcsonrichter

3/29/20262 min read

"Am Ende sind wir alle Staub. Und am Anfang?"

Diese zwei Zeilen aus einem der frühen Seeglas-Texte, Staub, bildeten diesmal eine Frage, die unmittelbar zum Ursprung zurückführte. Staub stellt die Frage nach der Vergänglichkeit, aber auch nach dem Neubeginn. Es war spannend, zu erleben, wie diese Gedanken weitergetragen und von lieben Mitstreitern im Ozean des Lebens neu interpretiert wurden.

Ancha, die auf Instagram unter @liebelle_zart wunderbare, zarte und verletzliche Gedichte schreibt, hat in ihrer sanften Sprache einen philosophischen Text daraus gemacht. In der Vergänglichkeit liegt Schönheit und darin - Freiheit.

Ich schreibe meinen
Namen
in den Staub der
Vergangenheit.

Der Wind
liest ihn
und nimmt ihn mit.

Alles war.
Alles ist.

Spuren formen Wege,
und Wege
formen neues Sein.

Ich zerfalle
in tausend Staubkörner
der Welt –

verbunden
und frei.

@libelle_zart

Lena, bekannt als @einzigagnes, hat mich durch die Körperlichkeit des Alltäglichen in ihrem Text sehr beeindruckt. Die große Frage wird in den kleinen Raum geholt, fühlbar gemacht und dadurch nicht relativiert. Stattdessen wird klar, dass wir jeden Morgen wieder neu beginnen und jeden Abend enden.

Der Wecker klingelt. Verquollene

Augenlider blinzeln sich durch eine

klebrige Ansammlung von Schlaf.

Blassgelbes Dämmerlicht schleicht sich

durch den schmalen Gardinenschlitz ins

Schlafzimmer, zeichnet eine schmale Linie

auf die Raufasertapete. Staubkörner in

der Luft, die die Lichtgrenze überqueren.

Mal nach rechts, mal nach links – Und

wieder beginnt ein weiterer Tag.

@einzigagnes

Fabian konkretisiert in seiner großartigen Interpretation, die auf Instagram auch ein sehr bewegendes und persönliches Video umfasst, die allgemeingültig Frage. Er verknüpft sie mit seinem Leben und seinen Erfahrungen. Damit wird sein Text zu einem tiefen Bekenntnis.

Schall & Rauch

Du fragst:

Und am Ende sind wir alle Staub.
Und am Anfang?

Ich grübel, gräm und glaub
Lass mal anfang’:

Eines ist mir heute klar
Dass nichts mehr wird
Wie’s einst noch war

Weil anders es nicht geht
Ich hoff, mir wird verziehen

Bis mich mal der Wind verweht
Ist hier alles nur geliehen

Nach mir ist dann eure Zeit
Vor mir waren andere dran
Mich bringt der Gedanke weit
Dass ich daran nichts ändern kann

Ich war Schall und ich war Rauch
Ich fehlte, kam und gehe wieder
Wo fang ich an, wann hör auf
Bin ich warm, hab ich Fieber?

Vor etwa 40 Jahren noch
Gab’s mich nicht mal als Idee
Heute denk ich, nun wohl doch
Tät mein Fehlen manchen weh

Und trotzdem weiß ich ganz genau
Ist der Gedanke auch zuwider
Wenn ich in weite Zukunft schau
Werd vergessen ich auch wieder

@lyrischgutdrauf

Marc hat seine Einreichung ein wenig versteckt. Sie verbarg sich in der Kommentarspalte der Windrose, wo man sie leicht hätte übersehen können. Und genau das ist passend zu seinem Ansatz. Denn ihm geht es um das ewige Bemühen, Verbundenheit und Leben bewusst zu spüren und zu hören. So wird alles zu einer kontemplativen Meditation

Am Ende sind wir alle Staub. Und am Anfang?

Taub im Mutterleib nicht allem gegenüber,
dem Herzschlag nicht, dem allerersten Klang.

Bemüh dich, ihn zu hör’n, ein Leben lang,
in ihr, in dir, in jedem Gegenüber.

@marcsonrichter