Windrose zum 8. Mai 2026
"Denn jetzt bin ich dort, wo mein Herz immer wohnte"
WINDROSE
@bine.in.action @im_woerterwald @zeilenmanufaktur.ks @poesiediary @kerstin.schreibt.2020 @liebelle_zart @gabra4711 @gedanken_am_rand @zwischen_den_zeilen_es @woerter_garten @lyrischgutdrauf @kerstin.kuehl.autorin @lustaufworte @petrakreme @bewusst_so_sein @einzigagnes @zeit_fuer_worte @henriette.paul.autorin @spruchreif2020
5/9/20267 min read


"Denn jetzt bin ich dort, wo mein Herz immer wohnte."
Die zwei Zeilen aus "Wellengrab", die ich für diese Windrose ausgesucht habe, beschreiben recht gut, wo diese Windrose hingeführt hat. Denn jetzt ist Seeglas Lyrik zu einem echten Hafen geworden, in dem viele Menschen festmachen. Hier begegnen sich Stimmen in geschäftigem Treiben und teilen Geschichten über ihre Fahrten. Danke dafür!
Wer angelegt hat:
@bine.in.action bildet den starken Auftakt. Bei ihre werden die Zeilen zu einer Verrottung von Sehnsucht im Schreibprozess. Das Erzählen ist die eigentliche Fahrt zum Sehnsuchtsort.
Schreiben...
überschäumendes Glück!
Worte, die durch meinen
Kopf wirbeln!
Ich fang sie ein - bring sie
auf Papier.
LEBENSFREUDE
Denn jetzt bin ich dort, wo
mein Herz immer wohnte!
@im_woerterwald kehrt in seinem Gedicht heim. Die stürmische Fahrt endet in einer Ankunft, in Frieden.
Die Reise
Einst zog ich hinaus
ließ zurück, wo ich wohnte.
Mein Blick geradeaus
als wenn Fernweh sich lohnte.
Hohe See kennt nur Wellen
und schwankende Schritte.
Lang trieb ich allein
ohne Anker und Mitte.
Durch Stürme und Flauten,
durch schweigende Weiten -
wie messe ich Tage
in landlosen Zeiten?
Dann kam das Heimweh,
so ganz unangekündigt,
als hätte ich mich
an der Heimat versündigt.
Ich kehrte um.
Die Reise ist um,
und die Sehnsucht belohnte.
„Denn jetzt bin ich dort,
wo mein Herz immer wohnte.
@zeilenmanufaktur.ks betrachtet die Liebe in einem ruhigen, schweren Gedankengang. Keine Fahrt sollte allein enden. Und jede ist eine Erkenntnis.
Mit euch
Bin mit euch fest umschlossen
Von unserer Membran
Wie in ein Stück gegossen
Ein eig’ner Ozean
Von außen dringen Stimmen
Zu uns ganz dumpf hinein
Und ich kann mich entsinnen
Wollt’ einst bei ihnen sein
Denn mit euch kam die Schwere
Die Tiefe zog mich an
Und in ihr eine Leere
Die Dichte erst gewann
Als Wind und Monde zeigten
Dass Schwere Liebe heißt
Und meine Ängste beugten
Sich uns’rer Nähe Geist
Und heute
Weiß ich sicher
Dass alle
Schwere lohnte
Denn mit euch
Bin ich dort
Wo mein Herz
-IMMER-
Wohnte
@poesiediary nimmt uns mit an die Havel. Alltagsbeobachtung wird zum Seelenraum, denn der Frühling öffnet das Herz weit.
Frühling an der Havel
Die ersten Mückenpaare schwirren durch die Luft,
in meine Nase zieht der Havelduft,
lose Metallteile klirren gegen Bootsmäste,
fern ab von Stadt und Hast.
Und ich sitze hier und schreibe,
genieße die Osterblumen für eine Weile,
Vögel nisten im Seegras,
neues Leben entwickelt sich mit Vollgas.
Eine Taube gurrt in der letzten Abendsonne
und erzählt vom Frühling, der nun komme.
Feedback bekommt sie vom Specht,
der gibt ihr im Punkt Regenerierung Recht.
Ich denke an den Spaziergang mit dir an diesem
schönen Ort,
an die Geborgenheit, die ihm innewohnte,
ich möchte ihn nicht missen, denn jetzt bin ich dort,
wo mein Herz immer wohnte.
@Kerstin.schreibt.2020 hat in ihrer Geschichte eine Begegnung geschrieben, die mich sehr berührt hat. Denn ich habe mich in beiden Hauptfiguren wiedererkannt. Das ist selten.
Prosa vom alten Mann am Meer
Der alte Mann kam jeden Morgen ans Meer. Nicht mit einem Stock, sondern mit Sneakers, die schon
bessere Tage gesehen hatten, und einer Thermoskanne Kaffee in der Hand.
Im Dorf kannte man ihn. „Der mit dem Blick aufs Wasser“, sagten manche. Andere meinten, er warte auf
irgendwen. Vielleicht stimmte das sogar, nur anders, als sie alle dachten.
Er setzte sich auf die Bank, die ein wenig schief stand, und scrollte manchmal kurz durch die Nachrichten,
bevor er das Display wieder ausschaltete. Dann sah er hinaus auf die Wellen, den Horizont, das ständige
Kommen und Gehen.
Eines Tages setzte sich ein Teenager neben ihn, Kopfhörer um den Hals, das Handy noch in der Hand.
„Langweilen Sie sich nicht?“, fragte er.
Der alte Mann schmunzelte. „Früher schon“, sagte er. „Da dachte ich, ich verpasse was, wenn ich nicht
überall bin.“
„Und jetzt?“
Der alte Mann zuckte mit den Schultern. „Jetzt weiß ich, dass ich mich selbst verpasse, wenn ich nie
ankomme.“
Der Teenager sah aufs Meer, dann wieder auf sein Handy, dann wieder aufs Meer. Schließlich steckte er
es ein.
Eine Weile saßen sie einfach da. Ohne Musik, ohne Scrollen. Nur das Rauschen, der Wind und dieser
seltsame Frieden dazwischen.
Der alte Mann nahm einen Schluck Kaffee und lehnte sich zurück.
Denn jetzt war er dort, wo sein Herz immer wohnte.
Auch meine liebe Freundin @liebelle_zart hat in den Zeilen eine Heimat gefunden. Der Weg war ungewöhnlich schwermütig für ihren sonst so leichten Stil. Ich habe darin viel Schönheit gefunden.
Wie oft wache ich nachts auf
und meine Lippen formen
sehnsuchtsvoll die Worte:
ich will nach Hause.
Jahrzehntelang suchend,
diese Sehnsucht bleibt.Unter jedem symbolischen Stein
gegraben,
Menschen um Rat gefragt.
Leere und Einsamkeit
bekamen Namen.
Ich hatte kein Zuhause.
Oder ich dachte es.
Bis es still wurde
und ich es fand.
Denn jetzt bin ich dort,
wo mein Herz immer wohnte.
Zurück bei mir.
@gabra4711 führt der Weg nach Hause direkt an die Wellen. Und dort ist der Seelenfrieden.
Heimkommen
Im Gehen streife ich die Flipflops ab.
Meine Fußabdrücke unverfälscht.
Ich werde schneller zum Takt meines
Herzens. Fast laufe ich, und eine
sanfte Brise bauscht unmerklich mein
wasserblaues Sommerkleid.
Die Szenerie wie in einem kitschigen
Liebesroman, den man immer abstreitet,
zu lesen.
Vorfreude dehnt sich in mir aus,
läßt meinem Lächeln keine Pause.
Gleich ein Wiedersehen! Ich bleibe stehen.
Mein Blick treibt hinaus in die
unendliche Weite. Brandet wellig zu mir
zurück.
Ich breite meine Arme aus,
als möchte ich das Meer umarmen.
Sein Rauschen klingt
wie ein Willkommensgruß.
Endlich bist Du da!
Ich atme glitzernde Salzkristalle und
strahle mit der Sonne im Duett.
Stille Liebe flutet mich.
Denn jetzt bin ich dort,
wo mein Herz immer wohnte.
@gedanken_am_rand findet in der Suche auch ein ungewöhnliches Ziel, denn die Reise geht ins Innere. Die Heimat war immer greifbar nahe.
Vielleicht war ich lange
unterwegs,
ohne zu wissen,
dass mich nicht die Ferne gerufen
hat,
sondern etwas,
das längst in mir war.
Ein Ort aus Wärme.
Ein Stück Himmel in mir.
Ein leises Ja,
das geblieben ist,
auch als ich selbst noch gesucht
habe.
Und jetzt stehe ich hier
und begreife:
Manchmal findet man nicht den
Ort.
Manchmal findet der Ort einen.
@zwischen_den_zeilen_es öffnet den Impuls in die Begegnung und legt das Herz Vertrauens in die Hände des Gegenübers. Ein Weg aus der Einsamkeit.
Denn jetzt bin ich dort, wo mein Herz immer wohnte
Denn ich bin bei dir angekommen, ganz still und nah
Jetzt bin ich frei, um einfach bei dir zu sein,
Bin glücklich, endlich nicht mehr allein.
Ich gebe dir mein Leben in die Hand,
Dort bleibt es hoffentlich sehr lang.
Wo immer du es hinträgst, gehen wir zusammen.
Mein Zuhause ist nun bei dir, im Hier und Jetzt.
Herz und Leben gehören nun uns, in allem, was wir teilen.
Immer werde ich an deiner Seite bleiben.
Wohnte ich einst nur allein, will ich für immer bei dir sein.
@woerter_garten beschreibt mit wenigen Worten eine lange und intensive Reise, eine Rückkehr ins eigene Sein.
Denn jetzt bin ich dort,
wo mein Herz immer wohnte -
Zuhause.
In mir.
Einen ähnlichen Weg geht @lyrischgutdrauf . Er beschreibt rhythmisch und klangvoll den Weg aus der Disharmonie in den inneren Frieden.
Selbstfindungstrip
Ich war lange mir bekannt
Doch kannte ich mich kaum
Nie geblieben, viel gerannt
Und beneidete den Baum
Wie verbunden er doch ist
Stolz zu sich steht und bleibt
Ob daran nicht Erfolg sich misst
Teil doch mit mir ich alle Zeit
Ich fand den Ort
Für den es sich zu suchen lohnte
Denn jetzt bin ich dort
Wo mein Herz schon immer
wohnte
@kerstin.kuehl.autorin stellt sich den großen Lebensfragen. Am Ende liegt Erkenntnis, das Lichten des Nebels, das die Heimat möglich macht und den Horizont erkennen lässt.
Wo kam ich her, wo geh ich hin?
Wonach steht mir des Leben’s Sinn?
Träum ich oder wach ich schon?
Und wann gibt es des Quälen’s Lohn?
Der Nebel geht, die Fragen nun sich langsam
lösen und ganz egal, wo ich im Leben thronte......
Denn jetzt bin ich dort,
Wo mein Herz immer wohnte.
@lustaufworte geht in die Beobachtung der Natur und die daraus gewonnene Resonanz. Dies ist ein Weg, der meinem eigenen sehr ähnelt und ich habe mich in diesem Gedicht sofort zuhause gefühlt.
Fels in der Brandung
Denn jetzt bin ich dort,
wo mein Herz immer wohnte,
zwischen Schatten und Licht,
wo die Brandung sich bricht.
Zwischen bebenden Wellen,
wo das Rauschen ertönt,
an Muscheln, Korallen,
die Strömung gewöhnt.
Dem Wind ein Geselle,
von Fischen umgarnt,
die einsame Stelle,
der Weite so nah.
Hier liegt meine Heimat,
zwischen Leben und Tod,
in ewiger Sehnsucht,
vom Herzen bewohnt.
@petrakreme ist die Einzige, deren Gedicht ich schon vor Ende der Windrose vertont habe. Dieses Zwiegespräch zwischen Sehnsucht und Furcht hat mich berührt.
Wo wohnt mein Herz, wenn ich
nicht da bin?
Warum sind wir nicht vereint?
Du gehörst zu mir, mein Herz,
lass die Ängste sinken,
auch jene,
die ihren eigenen Schatten
fürchten,
auch
die unerfüllbaren Sehnsüchte ...
Ich bring dich nach Hause -
genau dahin, wo ich bin.
Denn du bist ich.
Bin nur in deiner Tiefe zu Hause.
Darum tauche ich ein
in deine Unwägbarkeit,
und wir finden Frieden.
DENN JETZT BIN ICH DORT,
WO MEIN HERZ IMMER
WOHNTE ...
@bewusst_so_sein lässt sich vom Wind ergreifen und tragen. So wird das Lesen zu einem fließenden Weg voll zarter Kraft. Und doch werden auch die Stürme nicht verschwiegen.
Denn jetzt bin ich dort
wo mein Herz immer wohnte
der Wind trug mich fort
auch kein Sturm mich verschonte
Mein Herz flog stets mit
hielt es sanft in den Händen
pulsierender Ritt
übers Meer zu den Stränden
Der Sand ohne Halt
trieb mich weiter und weiter
er flüsterte: bald
fühlt dein Herz sich befreiter
Ich gab mich ganz hin
den Gezeiten - dem Flusse
egal wo ich bin
bleibt das Herz meine Muse
@zeit_fuer_worte bleibt ganz im maritimen Bildraum und lädt zu einer losgelösten und von Hemmung befreiten Sturmfahrt, der ich mich gern anschließe.
Ich höre auf
Ich höre auf.
gedankentief
gegen den Wind zu segeln.
Löse den Knoten
unsinniger Lebensregeln.
Schmelz den Sextanten ein,
male den Horizont
in einem tiefen Himmelsblau.
Vertausche Back- mit Steuerbord
und lächle über
unheilschwangeres Wolkengrau.
Ich höre auf,
echolottreu
den alten Kurs zu halten.
Berge das Segel,
Held dunkler Naturgewalten.
Grüß den Klabautermann,
der mich auf meinem Weg
in Richtung Heimathafen stets verschonte.
Und weiß:
Ich bin bald dort,
wo mein so sturmerprobtes Herz
schon immer wohnte.
@henriette.paul.autorin webt einen Teppich aus Bildern. In starken Motiven führt sie uns aus der Enge in die Weite.
im luftleeren Räumen reglos
das kreisende Holz der Gewohnheit
vermehren
bis
zwischen den Ästen ein Ort vergisst zu brüten
und ein Schauer offenen Himmels atmet
mein Herz wohnt im Wind
auf silbernen Wolkenschatten reite ich nach Hause
@einzigagnes geht mit ihrem Text ganz ins Existenzielle. Es ist die Frage nach dem Sinn, nach dem Wert der Reise. Ist Ankunft überhaupt möglich?
Pausenloses Streben.
Und Agnes erkannte, dass
Ankommen eine trügerische
Illusion ist. Das Leben,
ein stetiger Prozess,
wiederkehrende Abläufe.
Im Wettlauf ums Leben,
kommt nur Geduld dem
möglichen Gefühl des
Ankommens am Nächsten.
@spruchreif2022 überträgt meinen Impuls auf aktuelle Geschehnisse. Natürlich findet eine maritime Lebensreise, die ganz Deutschland bewegte, ihren Weg in diesen Hafen. Und auch, wenn Seeglas Lyrik in dieser Frage klar keine Stellung bezieht und eine Positionierung ablehnt, bleibt der Ruf nach Verantwortung für die Kreatur und die Welt um uns herum, der aus diesem Text erklingt, fundamental wichtig und braucht Raum.
Traurig ist und war mit
anzusehen, viele Menschen
Anteil nehmen trotz
gescheiterten Hilfe
Versuchen,
kam der Wal um zu bleiben?
Viele Wochen hin und her
diskutieren wer und was soll
das Schicksal von Timmy
entscheiden, schließlich hat
der Wal keine Wahl oder
doch hat er entschieden?
Entscheidung getroffen
welche Qual, Kehrtwende
nach etlichen Wochen,
erneut Hilfe kam.
Timmy wird nun
abgeschleppt mit einem
riesigen Kahn in der
Hoffnung er schafft es
dorthin, wo sein Herz immer
wohnte.
Kontakt
Schreib mir deine Gedanken und Fragen jederzeit.
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