Windrose vom 1. März 2026

Einsendungen

WINDROSE

Kerstin Burkart, Ancha Albert, @nachts_gedacht, @nicht.alltaeglich, @lyrischgutdrauf

3/15/20263 min read

"Unsere Fußspuren verweht der Wind"

Dies war die erste Windrose, ein Schreibimpuls, zu dem ich von @nachts_gedacht inspiriert wurde. Ich dachte, es sei den Versuch wert, dieses Austauschforum auch in unserem Raum auf Insta anzubieten. Der Wind wehte sanft, aber intensiv. Zu den Zeilen aus "Sandwunden" erreichten mich wunderbare Einsendungen, von denen ich einige hier zeigen darf. Danke an alle teilnehmenden Künstler.

Die Kunstwerke

Hier nun also die wunderbaren Werke, die entstanden.

@lyrischgutdrauf fokussiert sich in einem atmosphärisch dichten Gedicht auf die befreiende Wirkung des sanften Windes. Man kann die Brisen spüren und in der Brise die Frage nach dem "Danach". Ein kraftvoller und zugleich zärtlicher Text, der mich bewegt hat wie der Wind selbst es tut.

Wes Geistes Wind

Träumend unterm Nussbaum

Mich umschmeichelt warmer Wind

Kennt weder Zeit noch Raum

Verweht was war und die, die sind

Diesseits ist kein Sein beständig

Wessen Sinn in neue Seelen fand

Ist trotzdem nicht vergänglich

Überdauert Spuren hier im Sand

Wenn ich unterm Baume steh

Haut und Herz spür’n ihren Wind

Tröstet, tut’s in mir auch weh

Dass durch uns sie hier noch sind

Ancha Albert, eine zarte und starke poetische Stimme, hat den Wind auch gespürt. Ihre Zeilen handeln von der tröstlichen Veränderung und vom Übergang, geschaffen aus Luft und Sand. Besonders der emotionale Aspekt berührt mich sehr. Danke, liebe Ancha.

Sand glättet sich,

ich lasse los.

Im Herzen

ein leises Zimmer,

ordnet sich neu.

Grenzen nicht aus Wut,

sondern aus Fürsorge.

Hier atme ich,

hier beginne ich wieder.

Kerstin Burkart, die ich für die Weisheiten in ihren eigenen Posts schätzen gelernt habe, drückt in ihrem kurzen Essay den Gedanken der Vergänglichkeit klar aus. Alles Menschliche, alle Eitelkeit, wird relativiert von der Kraft der Natur. Ob sanft oder rau: der Wind verändert.

Unsere Fußspuren verweht der Wind.

Zack, ein flacher Atemzug und wir waren nie da. Wir laufen barfuß über Strände, in Turnschuhen durch Städte,

auf Zehenspitzen durch das Leben,

als müssten wir der Welt beweisen, wer wir sind und wo wir waren.

Doch der Wind lacht nur leise über uns

und streicht mit unsichtbarer Hand über alles, was wir so wichtig finden.

Titel? Verweht. Stolz? Verweht.

Perfekte Fassaden mit Instagram-Lächeln? Verweht. Besitz? Verweht.

Da genügt ein kräftiger Herbsttag und alles ist weg. Wir stehen plötzlich da mit leeren Händen und fragen uns:

War das schon alles? Vielleicht haben wir uns geirrt. Vielleicht ging es nie um Spuren im Sand. Nie um Denkmäler.

Nie um größer, schneller, mehr. Vielleicht ging es um das Zittern in deiner Stimme, als du ehrlich warst.

Um die Hand, die geblieben ist, als alle anderen gegangen sind. Vielleicht sind wir nicht hier, um Spuren zu setzen, sondern um zu prüfen, welche uns prägen. Vielleicht ist es nicht unsere Aufgabe, Eindruck zu hinterlassen, sondern zu reflektieren, was Eindruck mit uns macht. Vielleicht sind wir nicht hier, um gesehen zu werden, sondern um wirklich hinzusehen.

Der Wind verweht zwar unsere Fußspuren, aber was er nicht verweht,

ist das, was wir im Innersten berühren.

Nicht der Abdruck, der im Sand bleibt,

sondern der Abdruck im Herzen. Und vielleicht ist das auch völlig genug.

@nicht.alltaeglich geht den Spuren nach, die der Wind nicht verwehen kann. Denn manche Spuren haben sich in die Herzen eingeprägt. Liebe ist unauslöschlich. In verdichteter Sprache bringt @nicht.alltäglich dies eindringlich zum Ausdruck. Und ich glaube fest daran, weil es tröstet.

Spuren

was bleibt

fragst du

die LIEBE

ist es

im herzen unserer

seelenmenschen

All diese wunderbaren Autoren und Künstler haben der Windrose einen Teil ihrer Worte, einen Teil ihrer Seele geschenkt. Dafür bin ich unendlich dankbar. Ihre Fußspuren wird der Wind nicht verwehen, zumindest nicht in meinem Herzen. Es hat mich berührt, was sie gezaubert haben. Wir haben mit Worten unsere Segel in den gleichen Wind gewendet. Entstanden ist ein gemeinsames kreatives Eiland.