Windrose vom 24. April 2026

Ein Hauch von Ewigkeit. Ein Kuss.

WINDROSE

@lustaufworte @zwischen_den_zeilen_es @im_woerterwald @juli_norden @poesiediary @gabra4711 @bine.in.action @liebelle_zart

4/25/20265 min read

Ein Hauch von Ewigkeit. Ein Kuss.

Die Zeilen aus meinem Gedicht Sandherz, die diesmal Pate für die Windrose standen, beschreiben, was Lyrik im Austausch eigentlich sein kann. Ein Gedicht trägt in seiner Leichtigkeit diesen besonderen Hauch, und wird es zwischen zwei Menschen, zwischen Schreibenden, ausgetauscht, so wird es zu einer zärtlichen Berührung.

Das durfte ich fühlen, als mich die diesmaligen Beiträge zur Windrose erreichten. Jeder trägt seine ganz eigene Handschrift, jeder ist wie ein sanfter, berührender Gruß aus der Ferne. Hier dürfen sie ankern, um dem Vergessen zu entgehen und zu einem Hauch von Ewigkeit zu werden.

Wie sanfte Küsse

@lustaufworte verwandelt die Zeilen in ein Stück Musik, das nur das Meer zu spielen weiß. Der ewige Rhytmus der Natur und das beständige Zusammenspiel mit dem Menschen verbinden sich in diesem Text zu einem Klang, der hörbar wird beim Lesen der Zeilen.

Ein maritimes Liebeslied

„Ein Hauch von Ewigkeit.
Ein Kuss“

Am Ozean ist nichts vergänglich,
wie zeitlos ist sein Wellenruf,
ein frischer Atem, lebenslänglich,
bevor ein Gott das Leben schuf.

Als jeder Tag dem nächsten glich,
bevor ein Schiff ihn je durchstrich;
mit Segeln durch die Wogen trieb,
und niemals lang am Hafen blieb.

Als der Matrose sich ersehnte,
des Meeres Kuss der Ewigkeit,
bei jedem Sturm den Tod erwägte,
doch jeden Tag erneut bereit.

Getrieben von der ewigen Liebe,
kein Ende, keinen Anfang kennt,
und auch der Wandel der Gezeiten,
ihn keinen Tag vom Ozean trennt.

@zwischen_den_zeilen_es lässt die Ewigkeit dem Wandel weichen. Im Loslassen erfährt man Freiheit und es ist so leicht wie ein Kuss im Lufthauch.

Es war ein Hauch von Ewigkeit. Ein Kuss.

Mein Dasein, fernab der Gegenwart,
Die Liebe zu jenem Leben längst erloschen.
Vergangenes verwischt, Erinnerungen getrübt,
wie ein verregneter Sonnenaufgang.

So sehr habe ich all das geliebt,
nun begreife ich: Es war ein Hauch von Ewigkeit.
Ich verabschiede mich von meinen alten Ich,
führe meine Hand zum Mund,

öffne sie und schenke dem Vergangenen
einen Luftkuss,
einen Abschiedskuss,
Ein Kuss!

@im_woerterwald übersetzt die Zeilen in einen Ausdruck von Kunstbeobachtung. Dabei berührt mich die Zartheit, das Sanfte, das in dieser Stimme mitschwingt.

Blattgold

Das Feminine, das Maskuline –
ein Schimmern, eine Harmonie.
Fast entrückt, in Ekstase –
ein Hauch von Ewigkeit.
Alles stimmt.

„Der Kuss“
Von Gustav Klimt.

@juli_norden erinnert in ihrem fast körperlich spürbaren Text daran, dass alles vergehen darf. Auch der Schmerz. Darin liegt eine befreienden Hoffnung. Und diese Hoffnung trägt.

Schmerz der vergeht

ein Hauch von Ewigkeit
ein Kuss der berührt
Körper liest Duft
und Nähe die spürt

die Art von Freiheit
die in den Himmel hebt
Glückstränen rinnen
weil Leichtes schwebt

ein Moment der dauert
ein Lächeln das trägt
Vertrauen ins Morgen
weil Schmerz vergeht

@poesiediary hat mich mit ihrem Beitrag sehr fasziniert, denn bei ihr wird aus meinem Impuls etwas ganz Neues. Das Motiv wird zum rätselhaften Zeichen, zum Symbol kollektiver Erinnerung. Ich bin auch beim Wiederlesen immer wieder begeistert.

Das Pentagramm

An dem Ort, an dem die Märchenbrüder begraben liegen,
verschlug es uns auf eine Parkbank.
Wir genossen andächtig den Frieden,
während ich in deine Arme sank.
Wir unterhielten uns über den Tod und das Leben, und unser
Blick fiel auf ein Symbol.
War dies eine Art letzter Segen?
Was bedeutete es wohl?

Wir recherchierten: Ein Stern mit fünf Zacken, ähnlich dem
jüdischen, doch dennoch unterschiedlich wie zwei verschiedene
Jacken.
Ein Symbol ohne Anfang und Ende.
Beim Anschauen band es sich um unsere ineinander fassenden
Hände.

Ein Schutz vor bösen Geistern,
bekannt auch unter Goethes Baumeistern.
Als ich durch das Gartentor trat,
sah ich, dass auch Goethe diesen Glauben daran vertrat.
Erinnerst du dich, wie wir über die Tugenden und Elemente
sprachen,
die es vertritt,
während wir dort auf der Bank saßen?

Ich erinnerte mich, als ich Goethes Toreingang durchschritt.
Ein Hauch von Ewigkeit.
Ein Kuss.
Ein Moment der Seligkeit.
So war es für uns.

@gabra4711 spricht auch über Erinnerung, aber ganz anders. Zart, persönlich und leicht melancholisch, offenbart der Text eine sanfte Verletzlichkeit, die leise kostbar wirkt,

Eine Erinnerung

Die Wellen tragen kleine Krönchen
und wiegen sich anmutig im sanften Reigen.
Das Ufer schaukelt weg von mir, bleibt liegen.

Alles dort wird immer kleiner, verwischt sich in den Farben.
Konturen lösen sich, verblassen wie alte Narben
aus sehr betagten Zeiten.
Ich schaue Stille – und ein bisschen Wehmut vermischt sich
mit der Freude über leuchtende Tage.
So wie es Abschiede halt manchmal tun.

Der Wind verwirrt ausatmend meine Locken, streicht
salzig über meine Wange. Behutsam tröstend.
Es fühlt sich an, wie ein Hauch von Ewigkeit,
wie ein Kuss, der die Erinnerung besiegelt,
die immer in meinem Herzen wohnen darf.
Egal, wohin ich gehe.

Das schenkt mir Zuversicht.

@bine.in.action hat mich mit ihren Beiträgen sehr erfreut, denn sie hat Mut gefasst und etwas Starkes geschaffen. Ich habe sie um einen Beitrag gebeten, als sie zweifelte. Dann schenkte sie mir gleich zwei. Zwei kurze Augenblicke zum Verweilen.

Nordseeliebe mit
einem Hauch von Ewigkeit
Meer und Sand – ein Kuss!

Am Strand
Ich schaue übers Meer
Ein Hauch von Ewigkeit?
Wellen berühren den Sand
Ein Kuss
Am Strand
Ich schaue übers Meer

@zeit_fuer_worte lässt in ihrem Blick auf die Liebe und den Wandel unterschwellig einen Hauch der Vergänglichkeit erahnen. Ist Ewigkeit eine Illusion? Bleibt die Liebe? Diese Fragen berührten mich beim Lesen.

Ein Hauch von Ewigkeit.
Ein Kuss,
der unbegrenztes Glück verspricht.
Wie Sonne, die durch dunkle Wolkenfelder bricht:
So fühlt sich Liebe anfangs immer an.

Man gibt, was man
im Rausch der Sinne geben kann
und denkt, dass es mit Sicherheit so bleibt,
während das Herz auf Wolke 7-Wellen
übers Wasser treibt
im Sog der einzig wahren Emotion
mit liebevollem Unterton.

@liebelle_zart hat ein weiteres Mal das Besondere vollbracht. Ihre Texte sind stets flatterzart, und dennoch voll von einer magischen Kraft, die Wunder möglich sein lässt. Hier spürt man das Wunder in der sanften Berührung eines Kusses.

Ein Hauch von Ewigkeit… ein Kuss
und plötzlich schweigt die Welt.
Als hätte jemand leise
die Zeit aus den Angeln gestellt.

Kein Vorher, kein Danach mehr,
nur dieses eine Jetzt,
das sich wie Licht auf Haut legt
und alles andere behutsam berührt –
ein leises Verwehen im Atem der Zeit.

Ein Herzschlag, der sich selbst vergisst,
ein Moment, der größer ist als alles Denken.

Die Straßen stehen still im Wind,
die Stunden verlieren ihr Gesicht,
und ich bin nur Staunen,
und du bist Licht.

Ein Kuss –
und nichts bleibt, wie es war.
Zurück bleibt Endlosigkeit im Augenblick –
ein Wunder jenseits aller Worte.

@nichtalltäglich
hat den wohl intensivsten körperlichen Text verfasst. Beim Lesen erschauere ich leicht, weil er so deutlich wahrnehmbar ist. Unvergesslich.

Unvergessen

mit den fingerspitzen
gleite ich behutsam
über meinen mund
feine wellen ziehen
durch meinen körper
lassen mich tief diesen
hauch von ewigkeit spüren
den dein letzter kuss
zurückgelassen hat

@petrakreme schreibt eine wunderbare Liebeserklärung an den Augenblick. Sanft und rhythmisch wie Atemzüge, kraftvoll wie das Abendlicht und die Morgendämmerung.

Wenn Meer und Horizont
ineinander versinken,
Sehnsucht, Wasser, Farben
voneinander trinken,
Stille – Möglichkeiten,
endlos weit…
Ein Kuss,
ein Hauch von Ewigkeit…

Wenn hinterm Feld die
Sonne
die Erde begrüßt,
mit rosenrotem Hauch
den Morgen versüßt,
für einen Moment nur eins,
zu zweit…
Ein Kuss,
ein Hauch von Ewigkeit…

Wenn wir uns still
aneinander lehnen,
für Sekunden
die Zeit zerdehnen,
sich Lippen nähern,
für den Hauch bereit…
Ein Kuss,
ein Hauch von Ewigkeit…