Windrose Wenn die Welt versinkt

Basierend auf dem Gedicht "Wenn die Welt versinkt"

WINDROSE

Leander Linnhoff, Alexandra Feurstein, Gabra4711, Kerstin Burkhard, Kerstin Kuehl, Wörterwald, Ancha Albert, Lyrischgutdrauf, seventinyhearts

7/21/20265 min read

Wenn die Welt versinkt

Diese Windrose ist anders als alle bisherigen, denn sie setzt ein Zeichen gegen den Wahnsinn der Kriege und für die Menschlichkeit. Diesmal dienten zwei Zeilen aus "Wenn die Welt versinkt" als Inspiration, und was die teilnehmenden Künstler daraus gemacht haben, ist einzigartig und bewegend. Hier mein Original-Gedicht:

Wenn die Welt versinkt

Ein Donnern wie von tausend Stürmen,

dann saust und zischt das splitternde Holz.

Wir haben gegen Tod und Teufel manövriert,

die Jagd gewagt, die Breitseite riskiert.

Jetzt bricht fliegendes Eisen den Stolz.

Schiff bohrt sich in Schiff,die Planken bersten,

die Masten brechen und stürzen hinab.

Der Schiffjunge kauert unter Deck und jammert,

Mann sich an Mann oder Treibholz klammert.

Das Meer wird zu einem endlosen Grab.

Ein Gurgeln, ein Zittern, ein dumpfes Ächzen.

Und jeder Mann an Bord ahnt: Sie bricht.

Da hilft kein Beten, da hilft kein Fluchen,

während manche nach der Hoffnung suchen.

Doch die Seelen entgehen den Fluten nicht.

Während über mir Trümmer und Körper treiben

sinke ich hinab, als ob mich etwas riefe.

Wenn die Welt in sinnlosen Kriegen versinkt,

wenn die Hoffnung in krachendem Rauch ertrinkt,

gleite ich schwerelos in friedlicher Tiefe

Triff mich dort!

Alexandra Feurstein weiß, dass Anfänge oft dort zu finden sind, wo wir Enden und Hoffnungslosigkeit vermuten. Was wir für das Ende halten, ist oft erst der Beginn der Geschichte.

Wenn die Welt versinkt, beginnt das Meer Geschichten zu erzählen.

Es spricht nicht zu denen, die nach Antworten suchen, sondern zu jenen, die den Mut haben, dem Schweigen zuzuhören. Jede Welle trägt den Namen einer verlorenen Gewissheit, jeder Horizont die Ahnung eines Anfangs, der sich dem Blick entzieht.

Wir nennen es Untergang, weil wir das Festhalten gelernt haben. Das Meer kennt dieses Wort nicht. Es nimmt auf, was fällt, verwandelt es in Tiefe und trägt es weiter, bis niemand mehr weiß, wo Verlust endet und Verwandlung beginnt.

Vielleicht ist der Mensch deshalb dem Meer so ähnlich: Er besteht nicht aus dem, was er besitzt, sondern aus dem, was er loszulassen vermag. Und manchmal beginnt das eigentliche Leben erst dort, wo die vertraute Küste im Nebel verschwindet.

Wenn die Welt versinkt, erzählt das Meer keine Geschichte vom Ende. Es erzählt von der stillen Kunst, weiterzuatmen, obwohl der Horizont schweigt.

Gabriela von @Gabra4711 zeigt uns in ihrem Text die Bedeutung von Haltung und Würde. Krieg ist kein Preis, er ist ein Fehler. Er ist der Moment, wo Haltung versagt.

***

Wenn die Welt in sinnlosen Kriegen versinkt

Wenn die Hoffnung in krachendem Rauch ertrinkt

Sollten wir verstärkt mit dem Herzen schauen

Mit wachem Geist gemeinsam uns trauen

Als Basis die Liebe und den Mut

Vor falschen Worten auf der Hut

Mit eigener Meinung und Mitgefühl

Den Blick ausgestreckt im Schlachtgewühl

Uns nicht scheuen

Und nicht bereuen

Aufgebrochen zu sein

Zusammen und nicht allein

Um der Machtverrückterei entgegenzutreten

Und in vernebelten Städten

Der Hoffnung den Rettungsring zuzuwerfen

Um den Wahnsinn zu entschärfen

Haltung, Helfen … - es fängt im Kleinen an

Laßt uns tun was jeder in seiner Kraft so tun kann

Lucas von @seventinyhearts erkennt die existenzielle Macht der Wunden unserer Zeit. In seiner eindringlich-erschütternden Art verweigert er die Resignation.

I am nothing in the shallow waters,

Hollow and stone cold like your father on some days,

Memory is a betrayal cause I thought you wouldn’t hate me,

But we won’t meet at the gates,

I’m past the heartache cause I know I’ll be alone when I take my last breath,

Like the last bullet in the chamber, I know I’ll be alone. I know I’m alone.

Prone to addiction, I got addicted to reading politics every day, now I’m an anarchist.

The anti christ in my veins,

I swear I would love you if I wasn’t me,

I wear nothing underneath these words, so you can destroy me for an eternity like every relationship before.

That ain’t hardcore that’s just how the lore goes,

Fuck the right fascists,

I’ll draw 161 on my paper that includes a fist,

But we wanna keep it peaceful, cause I’ll be beautifully preserved from all the plastic lights and downers in my system.

Kerstin Burkhardt, die für mich immer eine tiefe Weisheit in ihren Texten trägt, lehrt uns, nicht die Augen zu verschließen. Denn das Wegschauen ist eine Art stille Akzeptanz.

Wenn die Welt in sinnlosen Kriegen versinkt

Wenn die Welt in sinnlosen Kriegen versinkt, wenn die Hoffnung in krachendem Rauch ertrinkt,

schalten wir den Fernseher aus,

doch Bomben fliegen auch ohne Applaus.

Sie schweigen nicht, nur weil wir sie nicht mehr hören

und sie unsere Ruhe nicht stören.

Tote haben kein Gesicht und wir nehmen sie zur Kenntnis, wie den Wetterbericht.

Scrollen vorbei, sonst wird das Abendessen kalt,

während eine Drohnen in einen Kindergarten knallt.

Diese Kinder kennen keine Sicherheit mehr und Hass macht ihre Augen leer.

Wir reden von Grenzen, doch Tränen brauchen keinen Pass.

Angst spricht jede Sprache, färbt die Lippen blass.

Der Schmerz fragt nicht, auf welcher Seite man geht,

sondern ob man den Menschen noch versteht.

So bauen wir Raketen und investieren in Zerstörung,

dann wundern wir uns über die Empörung,

anstatt mehr Brücken zu bauen

und einander wieder zu vertrauen.

Die Menschlichkeit scheitert am Budget

und der Vorstellung, es existiert nichts, was ich nicht seh`.

Dabei sind wir nicht für den Krieg geschaffen,

müssen lernen, uns wieder friedlich zu machen.

Denn wenn Hass gelehrt werden kann, dann kann es Liebe auch wieder irgendwann.

Kerstin Kühl bringt in wenigen Worten zum Ausdruck einen positiven Trotz dar, der der Gewalt eine klare Perspektive des positiven Gestaltens entgegensetzt.

Wenn die Welt versinkt stell ich ein großes Gefäß darunter, was nur all das Gute auffängt und erbaue daraus einen wunderschöne neuen Ort voller Licht, in der Macht und Geld keine Bedeutung mehr haben.

Wörterwald ehrt mich mit seinem Text besonders, denn er beschreibt im Wesentlichen den Prozess, in dem Seeglas entsteht. Das zeigt eine tiefe Seelenverwandtschaft.

Wenn die Welt in ihren Kriegen versinkt,

wenn die Hoffnung in krachendem Rauch ertrinkt

dann ist das nicht das Ende.

Wenn das Meer jede Scherbe zu Klarheit zerreibt,

und was bricht, doch am Ende als Leuchten verbleibt —

war irgendwo eine Wende.

Wir sehen Vergehen.

Und was wir sehen,

ist nicht das letzte Ende:

Stets ein Werden.

Ancha Albert reicht die Beobachtung des Status Quo nicht. Ihr Gedicht ist ein starker, ernster Call-to-Action.

Steht auf

Wenn die Welt in sinnlosen Kriegen versinkt,

wenn Hoffnung im krachenden Rauch ertrinkt,

dann steht auf.

Nicht, weil wir stärker sind.

Sondern weil Mitgefühl

niemals Schwäche war.

Lasst uns aufstehen

gegen den Wahnsinn,

gegen Willkür,

gegen alles,

was Herzen voneinander trennt.

Vielleicht sind wir nur wenige.

Doch jede Stimme

findet eine weitere.

Jedes offene Herz

entzündet ein neues Licht.

Bis aus einer Minderheit

ein Miteinander wird.

Bis Mitgefühl

Kontinente überwindet,

Seele für Seele,

Herz für Herz.

Steht auf.

Für die Menschlichkeit.

Bevor die Stille

lauter wird als wir.

Fabian von Lyrischgutdrauf schließlich ruft uns zur Verantwortung, uns Kunstschaffende, und er begibt sich damit in eine alte, wichtige Tradition.

Trostpflaster

Wenn die Welt in sinnlosen Kriegen versinkt,

wenn die Hoffnung in krachendem Rauch ertrinkt,

ist es die Kunst, die den Schnorchel uns schenkt,

im lauten Heute, leise an morgen schon denkt.

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